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Grundlagen

Die Chinesen sind äußerst praktisch denkende Menschen, sie befassen sich lieber mit Gegebenheiten als mit Spekulationen. An ihre Erkenntnisse und Methoden muss man daher auch nicht glauben, um sie anwenden und erproben zu können.

Im folgenden seien — nach einem kurzen historischen Abriss — beispielhaft drei der für die Medizin wichtigsten Konzepte der chinesischen Philosophie ganz grob erläutert: die Polarität von Yin und Yang, die Ursubstanz Qi, sowie die fünf Wandlungsphasen.

Geschichte

Die Ursprünge der chinesischen Heilkunst liegen in der Mythologie, ihr Wissensschatz entwickelte sich über Jahrtausende aus den Forschungen und praktischen Erfahrungen von Ärzten.

Den ersten europäischen Akupunkturboom gab es schon vor zweihundert Jahren in Frankreich. Während die moderne westliche Medizin ihren Aufstieg erlebte, erfuhr das chinesische Gesundheitssystem seine Unterlegenheit in der Seuchenbekämpfung und wurde durch Misswirtschaft und schließlich durch Kriegs- und Revolutionswirren praktisch ruiniert.

Erst Mao gelang es, westliche Medizinstandards zu verbreiten, gleichzeitig förderte er die Wiederentdeckung und Weiterentwicklung der traditionellen chinesischen Medizin. Heute gibt es in China genauso wie im Westen eine Koexistenz, sowie vielfältige Kombinationen beider Traditionen.

Yin und Yang

Wir sind es gewohnt, in unvereinbaren Gegensätzen zu denken: gut oder böse, gesund oder krank, modern oder traditionell. Dieses dualistische Entweder/Oder ist jedoch nicht selbstverständlich; es geht auf Aristoteles zurück und ist einem in Polaritäten denkenden Chinesen unverständlich.

Yin & YangAus Sicht der Chinesen hat jedes Phänomen zwei Seiten, besteht aus zwei Teilen und gehört zu einem Paar aus zwei Gegenübern: Yin und Yang. So besteht ein Haus aus Innenraum (Yin) und Außenfläche (Yang), die Außenfläche scheidet sich wiederum in Vorderfront (Yang) und Rückseite (Yin), drinnen gibt es Bereiche zum Essen und Schlafen (Yin), wie zum Arbeiten und Feiern (Yang). Das eine ist nicht ohne das andere denkbar, und eine scharfe, absolute Unterscheidung läßt sich nirgendwo ziehen.

Das bedeutet nicht, dass die Polarität von Yin und Yang ein abstraktes oder irgendwie mystisches Konzept ist. Es ist eine sehr lebensnahe, beobachtbare, praxiserprobte Sichtweise. Man kann sich die Welt und den Menschen als Gefüge von ganz konkreten Yin-Yang-Beziehungen vorstellen; gerät dieses Gefüge ins Ungleichgewicht, entsteht Krankheit.

Qi

Das Wort «Qi» (sprich: tschi) könnte man ungefähr mit «Lebenskraft» oder «Lebensenergie» übersetzen, die Idee dahinter lässt sich eher umschreiben als definieren. Qi ist weder Geist noch Materie, diese Unterscheidung macht die chinesische Philosophie nicht. Es ist im ganzen Universum vorhanden, fließt in Kreisläufen und Strömen, manifestiert sich in allen Dingen und allen Vorgängen, sammelt und zerstreut sich. Den Satz des griechischen Philosophen Demokrit, «Alles fließt», könnte man durchaus als ganz konkrete Beobachtung von Qi verstehen.

Lungen-LeitbahnDurch den menschlichen Körper fließen verschiedene Formen von Qi in komplizierten Leitbahnen. Gerät dieser Fluß ins Stocken, entsteht Krankheit.

Bisher waren die Versuche, Qi mittels wissenschaftlicher Apparate nachzuweisen, ohne Erfolg. Genausowenig jedoch lassen sich seine Wirkungen wegerklären. Qi ist vielfach wahrnehmbar, etwa als Kribbeln, Wärme oder Druck während einer Akupunkturbehandlung. Auch hier gilt: man muss keineswegs daran glauben, um es zu erfahren.

Die fünf Wandlungsphasen

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser — diese Kategorien erinnern uns an die Elemente der alten Griechen. Für die Chinesen bedeutet dies jedoch keine Unterscheidung der stofflichen Bestandteile der Welt, sondern ein System aus Beziehungen, Entsprechungen und Wandlungen. Beispielsweise entspricht die Wandlungsphase Holz dem Frühling, dem Wind und der Leber; die Wandlungsphase Feuer dem Sommer, der Hitze und dem Herz. Den Wandlungsphasen sind weiterhin Farben, Geschmäcker (und damit Nahrungsmittel), Gefühle, Himmelsrichtungen usw. zugeordnet.

Holz ernährt Feuer, Feuer ernährt Erde, Erde ernährt Metall... Diese drei Beispiele aus dem «Ernährungszyklus» zeigen bildhaft, wie die Wandlungsphasen voneinander abhängen und ineinander übergehen. Krankheit entsteht, wenn ein solcher Zyklus durcheinandergerät.

Die Lehre von den fünf Wandlungsphasen erlaubt es den chinesischen Denkern, ohne Abstraktion oder Dialektik in weiten Sprüngen den gesamten Kosmos zu durchdringen — und zu überraschend nützlichen Schlüssen zu kommen.

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